Die Sage der drei Riesinnen: Kruko und seine Töchter Brama, Saba und Trendula | Warburg zum Sonntag

Veröffentlicht am 25.09.2023 16:00

Die Sage der drei Riesinnen: Kruko und seine Töchter Brama, Saba und Trendula

Die Riesin Trendula herrschte über Trendelburg. (Foto: Barbara Siebrecht)
Die Riesin Trendula herrschte über Trendelburg. (Foto: Barbara Siebrecht)
Die Riesin Trendula herrschte über Trendelburg. (Foto: Barbara Siebrecht)
Die Riesin Trendula herrschte über Trendelburg. (Foto: Barbara Siebrecht)
Die Riesin Trendula herrschte über Trendelburg. (Foto: Barbara Siebrecht)

Am Rande des Reinhardswaldes, im Tal der Diemel, wohnte einst ein Geschlecht mächtiger Riesen. Der gigantische Riese Kruko hatte sich die Krukenburg erbaut und lebte dort mit seinen drei Töchtern, Brama, Saba und Trendula.

„Trendula, was hast du da?”, donnerte der Riesenvater eines Tages. „Schau Vater, wie lustig die Ochsen zappeln und der Bauer schimpft, wenn ich sie hochhebe”, freute sich das Riesenmädchen. Doch der Vater war zornig: „Menschen sind kein Spielzeug”, grollte er, „wo du es hergenommen hast, da trag es wieder hin.”

Nach dem Tod des wilden Riesenvaters nahmen seine Töchter Brama und Saba den Christenglauben an, der sich in der Region ausbreitete. Trendula hingegen blieb weiter eine Anhängerin des Heidentums. Sie hatte ein hartes Herz, war eigensinnig und neidisch auf die Nähe zwischen ihren Schwestern. Sie ärgerte und verfolgte die beiden. Brama machte dies so traurig, dass sie Tag und Nacht weinte und dadurch blind wurde.

Schließlich verließ sie die Burg ihres Vaters und baute sich am anderen Ufer der Weser die Bramburg. Auch Saba hielt es nicht länger in der Burg über der Stadt Helmarshausen und sie baute die Sababurg bei Hofgeismar und wohnte dort inmitten des Reinhardswaldes. Die beiden Schwestern aber blieben in Liebe verbunden. Abends, im Schutz des Nebels im Tal der Weser, besuchte Saba oft ihre Schwester auf ihrer Burg und blieb bis zum ersten Sonnenstrahl des neuen Tages.

Als Trendula von diesen Besuchen erfuhr, fühlte sie sich ausgeschlossen und ungerecht behandelt und wurde sehr zornig. Sie beschloss, Saba zur Rede zu stellen und passte sie auf ihrem Weg zur Schwester in einem Tal bei Wülmersen ab. „Was fällt euch ein, mich so zu hintergehen, wahrscheinlich redet ihr schlecht über mich und spinnt irgendwelche Ränkespiele gegen mich und die Meinen“, giftete Trendula, als Saba in Sicht kam. Die Schwestern stritten heftig und am Ende erwürgte Trendula ihre Schwester Brama in der heute als Mordkammer bekannten Stelle. Niemand wagte den Mord an Saba zu richten.

Nun floh auch Trendula von der Krukenburg und erbaute hoch über der Diemel auf einem Felsvorsprung die Trendelburg. Die Menschen im Tal beobachteten die Riesin ängstlich, die weiter am alten Glauben festhielt und wenig gottgefällige Dinge tat. So empfanden sie zum Beispiel als Gotteslästerung, dass Trendula ihren Kinder Schuhe und Spielzeug aus gutem Brot machte und auf der Gottesgabe herumtreten ließ.

Eines Tages zog ein furchtbares Unwetter über Trendelburg auf und wollte auch nach sieben Tagen nicht weichen. Die Menschen beschlossen in ihrer Not, den Zorn des Himmels mit einem Opfer zu besänftigen. Man beschloss, das Los zu werfen, um zu bestimmen, wer auf das offene Feld hinausgehen und sich den Blitzen preisgeben sollte. Das Los bestimmte Trendula, die Riesin.

Kaum stand sie allein auf dem Feld, als eine Gewitterwolke sich zusammenballte und ein gewaltiger Blitz auf die Riesin hinabfuhr, die Erde aufriss und die Riesin mit hinabriss. Gleich nach diesem Gottesurteil verzog sich das Unwetter, Regen und Sturm versiegten und die Not der Trendelburger kam zum Ende. An der Stelle, an der Trendula gerichtete wurde, blieben aber zwei tiefe Löcher in der Erde, die heute noch den Namen „Wolkenbruch“ tragen.

Eine baumlange Frau

Riesige Kunst

Die Skulptur der Riesin Trendula steht in Trendelburg am Diemelufer unterhalb der Trendelburg. Sie wurde von dem Holzkünstler Rolf Steiner aus Deisel aus einem Eichenholzstamm aus dem Reinhardswald geschaffen. Sie ist knapp sieben Meter hoch und zeigt die Riesin, wie sie der Sage nach mit einem Bauer und seinem Gespann spielte. Die Skulptur wurde vor 29 Jahren aufgestellt und erinnert seitdem eindrucksvoll an die Regional-Sage um den Riesen Kruko und seine drei Töchter

    Böse und urtümlich

    Riesen im Märchen

    In Märchen und Sagen werden Riesen meist als übergroße, menschliche Gestalten beschrieben, die gewaltige Kräfte haben. Oftmals werden ihnen Landschaftsgestaltung zugeschrieben wie das Auftürmen von Steinen zu Bergen oder der Weitwurf von riesigen Felsbrocken oder das Spalten von Felswänden. Riesen sind in den Geschichten zumeist halbwilde Gestalten. Sie stehen für Urvölker und Urkräfte. Mit dem Begriff Riese werden auch Anhänger von Naturreligionen beschrieben und in der Sagenwelt des Mittelalters zu tumben, rohen, bösartigen Gestalten herabgewürdigt. Sie sind oft Gegenspieler der Hauptpersonen der Erzählung.

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